Kreislaufgerät IDA 71

Irgendwann hatte ich die Idee es einmal mit einem Kreislaufgerät zu versuchen. Nach einigen hin und her Überlegungen, Ausprobieren diverser Geräte von Draeger und auch des Inspiration von Buddy, mußte ich doch feststellen, dass diese Geräte nicht das waren, was mit so in den Kopf gekommen war.

(Hi Folks, from  lot of mails I know that some divers from USA, Australia, GB are interested in my modifications. But sorry I don't want to spend time in an english IDA-site or in explaining the genaral modifications in english. Its up to everybody to translate the site to his language, as for me, if I read an english site. Of course I will answer concret questions.)

Meine Überlegungen gingen zu einen geschlossenen, Kreislaufgerät mit folgendem Anforderungsprofil

bulletmechanische Steuerung
bulletelektronische Überwachung
bulletflexible Einsatzmöglichkeiten vom reinen O2-Rebreather bis hin zum Gerät für tiefe Tauchgänge mit Trimix.
bulletvertretbarer Preis

Tja, gibt es denn so was? Ich mußte dann feststellen, dass dieses Anforderungsprofil doch weit neben dem gebotenen lag. Also habe ich mich entschlossen, einen Eigenbau/Eigenumbau durchzuführen.

Als Basis habe ich mir einen russischen Militär-Rebreather vom Typ IDA71 ausgesucht. Diesen habe ich dann in Vladivostok gefunden und nach 4 Wochen war das Teil dann hier. In Jute eingenäht und mit 25 Siegeln versehen.

 Abb.1

Beim Auspacken stellte ich fest, dass der Verkäufer es gut mit mir gemeint hat, z. B. waren 4 Kalkbehälter dabei. Das Gerat selber war absolut neuwertig (wahrscheinlich tatsächlich neu) und gefiel mir auf den ersten Blick. Saubere Mechanik, gut isolierter Atembeutel, Demandventil  und ein stabiles Blechgehäuse.

Vor dem Umbau

Abb. 1.1

Intern zu sehen
rechts die ca. 1 Liter O2 Flasche
Mitte der Atemkalkbehälter
links der Chemikalienbehälter für die O2-Erzeugung (Angst)
Extern zu sehen
die Nitrox-Einheit, ebenfalls mit 1 Liter Flasche

Im Grunde ist das IDA ein Vertreter der typischen Sauerstoffrebreather, wie sie von vielen Ländern genutzt werden. Interessant ist die Möglichkeit eine externe Nitroxeinheit anzuschließen, um größere Tauchtiefen realisieren zu können. Nett, ab einer Tauchtiefe von knapp 20m schaltet die Einheit automatisch(!), mechanisch(!) auf Nitrox um und spült selbsttätig(!) den Kreislauf durch. Wirklich tolles Feature. Aber ein ppO2 von knapp 3 bar ist 2003 wirklich nicht mehr Stand der Technik. Leider war es auch nicht möglich, die Einheit so einzustellen, dass bei einem niedrigeren ppO2 zuverlässig geschaltet wurde. nebenbei waren mir die verwendeten 1,2 l Flaschen einfach zu klein. Also radikaler Umbau....

Der Umbau

 

Bauteile:

1 Gasblock mit Druckventilen
2 externe Nitroxflasche 4-12l
3 Nitrox-Automat
4 externe Trimixflasche 4-12l
5 Absperrventil O2-flow  
6 interne Argonflasche für Tariergas 2l
7 interne O2 Flasche 2l
8 Atembeutel
9 FGT-Garnitur
       10 Nadelventil zur Begrenzung des O2-flow ca. 1.2 l/min

Verbindungen

1 Nadelventil - O2 Flasche
2 Nadelventil - Atembeutel
3 Trimix - Gasblock
4 Argon Flasche - Jacketinflator
5 Argos Flasche - Trockentauchanzug
6 Gasblock - Atembeutel
7 O2 Flasche Gasblock
8 Nitrox Flasche Atembeutel
 

Abb. 2

Zunächst habe ich den linken Chemikalienbehälter und die vorhandene russische 1 Liter Flasche ausgebaut. Damit hatte ich Platz für 2 X 2 Literflaschen.

Abb. 3

Die Flaschen sind mit Automaten von Poseidon bestückt (re/li) und ich habe eine Gasblock eingebaut (Mitte).

Abb. 3.1

Die Atemgarnitur stammt von einem deutschen FGT. (Demand- und Überdruckventil wurden belassen)

Abb. 4

Am Atembeutel wurden 2 O2-Sensoren eingebaut. Der rechte Sensor bedient einen VR3 Tauchcomputer. Der VR3 rechnet Dekompressionsprofile für geschlossene Kreislaufgeräte mit beliebigen Diluentgasen (EAN, LUFT, TRIMIX, HELIOX). Der linke Sensor bedient ein einfaches Anzeigegerät für den ppO2.

Der Sauerstoffzufluss in den Atembeutel wird über ein Ventil variable (on the fly) dosiert.

Abb. 7

Die bis zu 3 möglichen Spülgase (diluent) werden über einen Gasblock dosiert.

Abb. 8

Nun zu den möglichen Konfigurationen:

1. Konfiguration als Sauerstoff - Rebreather

Die internen Flaschen sind im Mitteldruckbereich gebrückt und 4 Liter O2 reichen für mehr als 5 Stunden, dies passt auch zur Kapazität der Kalkpatrone. Am Block liegt lediglich O2 an; dieses kann somit manuell zugeführt werden. Macht in der täglichen Praxis wenig Sinn.

2. Konfiguration NITROX A (flach)

Intern 1 Liter O2 und 2 Liter Argon als Tariergas, außen 4 liter NITROX (z. B. EAN 38)Der Sauerstoff wird mit dem Ventil (Abb. 7) konstant dosiert. Über den Block (Abb. 8) kann mit  Sauerstoff und Nitrox gespült werden. Keine praktische Konfiguration (siehe auch unten).

Tauchgänge im 20 m Bereich bis 2.30 h sind möglich.

3. Konfiguration NITROX B (tief)

Intern 2 X 2 Liter O2, gebrückt. Über eine Kupplung läßt sich eine externe Stageflasche anschließen. Diese wird rechts oder links unter dem Arm getragen.

Abb. 9

So können ohne weiteres 5, 7 oder 10 Liter Diluentgas (z. B EAN 32) mitgeführt werden. An der Stageflasche befindet sich ebenfalls ein Automat. Somit kann diese auch als Bailout für den Notfall genutzt werden.

Über den Block (Abb. 8) kann mit  Sauerstoff und Nitrox gespült werden.

3. Konfiguration Luft

Intern 2 Liter O2 und 2 Liter NITROX (z. B. EAN 50). Über eine Kupplung läßt sich eine externe Stageflasche (7 oder 10 Liter Pressluft) anschließen. Diese wird rechts oder links unter dem Arm getragen.Der Sauerstoff wird mit dem Ventil (Abb. 7) konstant dosiert. Über den Block (Abb. 8) kann mit  Sauerstoff, Nitrox und Pressluft gespült werden.

An der Stageflasche befindet sich ebenfalls ein Automat. Somit kann diese auch als Bailout für den Notfall genutzt werden.

4. Konfiguration TRIMIX

Intern 2 X 2 Liter O2, gebrückt. Über Kupplungen (Abb. 9)lassen sich zwei externe Stageflasche anschließen.

So können ohne weiteres zwei 7, 10 bis hin zu 20 Liter Flaschen Diluentgas (z. B EAN 50 und TX35/21) mitgeführt werden. Diese werden rechts oder links unter dem Arm getragen. An den Stageflaschen befindet sich ebenfalls ein Automat. Somit können diese auch als Bailout für den Notfall genutzt werden.

Über den Block (Abb. 8) kann mit  Sauerstoff, Nitrox und TRIMIX gespült werden.

Zusammenfassung

Mein IDA kann ich völlig flexibel einsetzten. Als Nitrox Rebreather ist es relativ klein und leicht. Aber auch bei erhöhten Anforderungen kann ich immer die Anzahl und Größe an Stage-Flaschen nehmen, die mir für das Vorhaben gerade angemessen erscheint. Die Stage-Flaschen und Automaten können sicher auch für offene Tauchgänge verwendet werden, stammen also aus meinem vorhandenen Gerödel. Der VR3 kann ebenfalls für alle Arten von Tauchgängen verwendet werden. Es gab also eine Menge Synergieeffekte. Dies hat sich dann auch recht positiv bei den Kosten bemerkbar gemacht.

weitere Modifikationen im Zuge der Erprobung

bulletVerlängerung der Schläuche an der Atemgarnitur. Dazu habe ich vorhandenes/historisches IDA-Schlauchmaterial (oben/grau wg. Stoffummantelung) verwendet. Die Garnitur des FGT war ganz erheblich zu kurz und daher sehr unkomfortabel. An der Verbindungsstelle wurden die Schläuche auf ein Stück PVC-Rohr (Baumarkt) geschoben und mit Kalbelbindern fixiert.

Abb. 10

bulletEinbau eines Ausgleichsgewichts im Deckel um den Auftrieb des Atemsacks zu kompensieren. 

Abb. 11

bulletNutzung einer internen Flasche für Tariergas (Argon) in der Grundkonfiguration. Es hat sich herausgestellt, dass a) 2l internes Diluent zu wenig sind, um auf dieses Gas als bailout zu wechseln und b) sich eine 2l Argonflasche aussen schlecht befestigen läßt. Aus der Argonflasche wird der Inflator mit einem 90cm Schlauch und der Trockentauchanzug mit dem Standardschlauch bedient.

Abb.12

bullet Verwendung einer externen 4l Flasche für Diluentgas (zunächst NX 36-38). Die verwendete lange Form läßt sich gut "side mounted" tragen und stellt eine erheblich verbesserte Reserve für den Notfall dar. Gut zu erkennen ist die Schnellkupplung mit der das Diluentgas auf den Gasblock legen läßt. Durch Trennen der Kupplung läßt sich im Notfall das Gas von Rebreathersystem abkoppeln.

Abb. 13

bulletBegrenzung des O2-Flows mittels Nadelventil auf ca. 1L/MIN. Das vorhandene Ventil (Abb. 7) dient dann nicht mehr der Einstellung (dafür nicht geeignet), sondern nur noch der Unterbrechung des flow. Das Nadelventil ist hinter dem Ventil (Abb. 7 eingebaut), steht also ohne Druck, wenn der Flow unterbrochen ist.

Abb. 14

Dieses Nadelventil (Nr. 10 in der Abb.) ließ sich gut einstellen. Um einen möglichst konstanten Flow am Nadelventil zu erhalten, habe ich den Vordruck aus dem Poseidon-Automaten auf 15 bar erhöht.

bulletKürzung der Atemschläuche (jetzt sind sie zu lang).
bulletVerbesserung der internen und externen Schlauchführung
bulletKantenschutz an den Durchführungen für die Schläuche im Gehäuse
bulletFeintarierung des inneren Gewichts 
bulletNeopren-Isolation für den scrubber
bulletSchlauchgewichte zur Auftriebskompensation

Praktische Erfahrungen

Die Tarierung ist sehr gewöhnungsbedürftig.

Die vorgehaltenen Gasmengen reichen für mehrstündige Tauchgänge.

Der ppO2 bleibt während des Tauchgangs soweit konstant, dass auf Spülen zur Korrektur verzichtet werden kann.

Der VR3 zeigt Veränderungen in ppO2 deutlich träger an, als das Messgerät von Submatix.

Es hat sich bewährt, die Diluentgase sidemounted zu tragen, die Flaschengröße ist variabel und die Automaten sind gut zu erreichen.

Das "Anatmen" ist absolut unverzichtbar. An der Oberfläche schließe ich zunächst den constant flow, fülle die Gegenlunge mit O2 und beatme das Gerät > 5 min. an der Oberfläche, besser außerhalb des Wassers.

Bei Tauchgängen bis 90 min. verwende ich aus Wirtschaftlichkeitsgründen z. T. schon benutzten  Kalk. Benutzter Kalk wird vorausgehend getrocknet. In den scrubber kommen zunächst 800gr benutzter Kalk, dann wird mit frischem Kalk (ca. 1000 gr.) aufgefüllt. Dies sollte für 2 Stunden ausreichend sein.

Es erscheint mir sinnvoll ein deutlich dünneres Gemisch an Stelle von "Best Mix" für die vorgegebene Tauchtiefe zu verwenden. Auch dieses Gemisch enthält immer ausreichend O2, bringt aber bei einem Vorfall mit zu hohem ppO2 diesen schnell nach unten. Gerade in der Nähe der zulässigen Tauchtiefe für das Diluent ist ansonsten der Spülvorgang aufwendig und geradezu gasverschwenderich. Nachteile sind nicht zu sehen, da das Gemisch in der Gegenlunge ggf. durch manuelle Zugabe von O2 schnell auf einen höheren ppO2 zu bringen ist.

Bisher....

Vorfälle mit zu hohem ppO2 = 1

Vorfälle mit zu niedrigem ppO2 = 0

Abbruch des Tauchgangs: = 0

Anmerkung:

Diese Anmerkungen sind erforderlich, um dem in Taucherkreisen üblichen Geseiche (Peter R., halt's Maul) vorzubeugen.

1. Niemand soll dies nachbauen, oder es auch nur versuchen
2. Mit solchen Tauchgeräten kann man natürlich nicht tauchen
3. Wer doch damit taucht, wird sicher sterben
4. Über sinnvolle Anmerkungen freue ich mich natürlich.